Die sozialen Netzwerke nehmen immer mehr Platz in unserem Leben ein. Aber die Nutzung der sozialen Medien nimmt nicht nur einen immensen Teil unserer Lebenszeit in Anspruch, auch umgekehrt wird ein immer größerer Teil unseres Lebens ein Teil der sozialen Netzwerke.
Wir posten, wo wir unseren Urlaub verbringen, twittern, wo wir gerade Essen gehen, teilen ein Foto von unseren jüngsten Einkäufen uvm. Eine wahre Informationsflut bricht permanent über uns herein…

In dem surrealen Web-Kunst-Projekt NetworkEffect wagen Jonathan Harris und Greg Hochmuth den Versuch, ein überspitztes Abbild der heutigen Internetnutzung zu zeichnen. Unter verschiedenen Stichworten wie „Essen“, „Starren“, „Fliegen“, „Küssen“ finden sich bizarre Kakophonien aus Bewegtbild, Audiospuren, Text und Zahlen. „Die Videos aktivieren unseren Voyeurismus, die Soundaufnahmen locken uns mit Geheimnissen, die Daten versprechen eine Art Allwissenheit“, sagen die Künstler. „Aber das alles ist eine Täuschung. Es gibt niemanden, der zuschaut, es gibt kein Geheimnis und die Daten, die so wichtig erscheinen, sind in Wahrheit total absurd.“

Für die Betrachtung der einzelnen Werke bleibt dem Zuschauer allerdings nur eine begrenzte Zeit, gemessen an der Lebenserwartung in dem Land, aus dem der Zuschauer kommt. Deutschen Zuschauern bleiben dafür acht Minuten und eine Sekunde, anschließend sperrt sich die Website für 24 Stunden.

Dieses Projekt fördert zum einen die Informationssucht, den Geltungsdrang und den Voyeurismus der sozialen Netzwerke zu Tage. Zum anderen macht es aber auch deren Leere deutlich: Man betrachtet häufig nur Fotos und Videos von völlig banalen Tätigkeiten und liest Texten von ebenso trivialer Art.
„Wir hoffen, unser Projekt hilft den Menschen, aus dieser Trance zu erwachen“, erklären Harris und Hochmuth. „Wir brauchen Zeit, Raum und Stille, um uns daran zu erinnern, wer wir sind, wer wir waren und wer wir sein könnten.“

http://networkeffect.io/